Freitag, 18 Juli 2025 15:14

Berlin kämpft gegen die Hitze

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Schüler gestalten Hitzeinsel für den Kiez selbst Schüler gestalten Hitzeinsel für den Kiez selbst Foto: pixabay

Die Zahl der Hitzetage in Berlin steigt rapide – doch viele Stadtteile bleiben ungeschützt. Während der Senat mit Konzepten ringt, nehmen Anwohner die Sache selbst in die Hand. Ein Projekt am Manga-Bell-Platz zeigt, wie Klimaschutz auf lokaler Ebene funktionieren kann.

Inhaltsverzeichnis:

Schüler bauen Hochbeete für den Manga-Bell-Platz

Olli, Noah, Leonie und Leila von der Möwensee-Grundschule haben Hochbeete mit Sitzbänken gebaut, bepflanzt mit Thymian, Rosmarin, Lavendel und weiteren Gartenpflanzen. Das geschah im Rahmen des Projekts „Machmalplatz“. Ziel ist es, den trist wirkenden Manga-Bell-Platz in Berlin-Wedding lebenswerter zu gestalten. Dieser Platz liegt an der Afrikanischen Straße, ist stark versiegelt und bietet kaum Schatten. Die extreme Hitze im Sommer wird dort schnell zur Gefahr – besonders für ältere Menschen.

Martin Barthel und Johannes Tonka, Initiatoren des Projekts und Mitglieder des Vereins Comparative Research Network, haben Nachbarn und lokale Partner mobilisiert. Gemeinsam mit Organisationen wie Alba Berlin und dem Centre Français sowie lokalen Gewerbetreibenden wurden Ideen gesammelt. Besonders häufige Wünsche waren:

  • mehr Schatten
  • Sitzgelegenheiten
  • Begrünung

Der Plan: Die Hochbeete auf dem Manga-Bell-Platz aufstellen, möglichst mit Überdachung. Doch trotz anfänglicher Unterstützung der Bezirksverwaltung Mitte stoßen sie auf Widerstand.

Denkmalschutz verhindert Pergolen auf dem Platz

Die Blockrandbebauung am Manga-Bell-Platz steht unter Ensembleschutz. Deshalb dürfen Sichtachsen nicht versperrt werden – Pergolen oder ähnliche Schattenspender gelten als unzulässig. Das begrenzt die Möglichkeiten des Projekts erheblich.

Nora Wolter, Klimaschutzbeauftragte im Bezirk Mitte, bestätigt die Hürden. Auch wenn das bürgerschaftliche Engagement begrüßt wird, spielen viele Verwaltungsbereiche eine Rolle: Verkehrssicherheit, Barrierefreiheit, Zustimmung des Grünflächenamts, und eben auch Denkmalschutz. Diese Aspekte haben denselben Stellenwert. Ein Vorrang für Klimaanpassung existiert nicht.

Ein weiteres Beispiel dafür ist der Gendarmenmarkt. Dort wurde der Platz nach historischem Vorbild umgestaltet – auf Grünflächen wurde verzichtet. Der Grund: Hitzeschutz ist keine kommunale Pflichtaufgabe. Es gibt weder ein festes Budget noch Personal für entsprechende Maßnahmen.

Hitzeschutz in Berlin.
Schüler pflanzen Pflanzen, pixabay/Foto illustrativ

Nur 44 von 11.000 Kommunen mit Hitzeaktionsplänen

Laut Moritz Ochsmann vom Deutschen Institut für Urbanistik haben nur 44 Städte und Gemeinden in Deutschland bislang einen Hitzeaktionsplan veröffentlicht. Das sind weniger als 0,5 % aller Kommunen. Solche Pläne sind jedoch entscheidend, weil sie Zuständigkeiten bei Hitzewellen klar regeln – z. B. für Warnsysteme oder angepasste Arbeitszeiten für Außenbeschäftigte.

In Berlin existiert bislang kein solcher Plan. Erst im Frühjahr 2024 hat der Berliner Senat angekündigt, eine landesweite Strategie zu erarbeiten. Eine ressortübergreifende Arbeitsgruppe wurde gegründet. Die Veröffentlichung ist für Herbst 2025 geplant. Danach sollen zwölf bezirkliche Pläne folgen.

Für Brandenburg ist ein entsprechender Plan für 2027 vorgesehen. Dort existiert seit 2022 ein umfangreiches Gutachten, das als Grundlage dienen kann.

Bürgerinitiativen füllen die Lücke

In Abwesenheit staatlicher Maßnahmen übernehmen Bürger die Verantwortung. In Berlin engagieren sich zahlreiche Initiativen für Klimaschutz. Ein Beispiel ist die „Initiative Baumentscheid“, die für 300.000 neue Straßenbäume kämpft. Auch Martin Barthel bleibt trotz Widerständen aktiv. Seiner Meinung nach müssten Land und Bezirke mehr tun – besonders angesichts steigender Temperaturen.

Er fordert mehr Kühlinseln, Trinkwasserstellen und Entsiegelung. Der Manga-Bell-Platz sei ein Symbol für viele vernachlässigte Orte in Berlin. Für Barthel und seine Mitstreiter ist das Projekt „Hitzeselbstverteidigung“.

Solange keine kommunalen Strukturen greifen, bleibt Engagement aus der Nachbarschaft der wichtigste Schutz. Doch ohne strukturelle Unterstützung wird es für viele Stadtteile eng – im wörtlichen und im übertragenen Sinn.

Quelle: RBB24

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