Freitag, 30 Mai 2025 10:20

Berliner Notfallklinik ohne Patienten

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Corona-Pandemie Corona-Pandemie FDoto: pixabay

Eine Notfallklinik mit 500 Betten, gebaut für den Ernstfall – doch nie genutzt. Diese Einrichtung auf dem Berliner Messegelände steht sinnbildlich für zahlreiche Fehlentscheidungen während der Corona-Pandemie. Neue Recherchen von Alexander King und Wolfgang Albers offenbaren widersprüchliche Aussagen des Berliner Senats und zeigen auf, wie politische Entscheidungen oft an den Fakten vorbeigingen.

Inhaltsverzeichnis:

Notfallklinik auf dem Messegelände blieb leer

Im Frühjahr 2020 errichtete der Berliner Senat eine Notfallklinik mit 500 Betten auf dem Messegelände. Die Kosten beliefen sich auf rund 90 Millionen Euro. Doch sie blieb ungenutzt. Nicht ein einziger Patient wurde dort behandelt. Der Politiker Alexander King (BSW) bezeichnet die Einrichtung als „Phantomklinik“. Er stützt sich dabei auf Antworten des Senats auf eine seiner über 40 schriftlichen Anfragen zum Thema Corona.

Die Auslastung der regulären Krankenhäuser war deutlich niedriger als erwartet. Im Durchschnitt waren nur 74 Prozent der Betten belegt. In einigen Bereichen wurden sogar Überstunden abgebaut. Nicht dringend erforderliche Eingriffe wurden verschoben. Die Prognose einer drohenden Überlastung blieb aus.

Albers und King konfrontieren Senat mit widersprüchlichen Daten

Wolfgang Albers, ehemaliger Vorsitzender des Gesundheitsausschusses, hat zusammen mit King das sogenannte „Corona-Schwarzbuch“ erstellt. Darin stellen sie politische Aussagen amtlicher Zahlenlage gegenüber. Die Dokumentation zeigt unter anderem:

  • Keine exponentiellen Anstiege bei den Infektionszahlen trotz hoher Testzahlen
  • Keine nachweisliche Überlastung der Intensivstationen
  • Keine flächendeckenden Personalengpässe im Krankenhauswesen

Laut King wurden viele Maßnahmen aus politischem Kalkül getroffen – etwa um besonders entschlossen zu wirken. Gleichzeitig bemängeln die Autoren, dass bis heute wichtige Kennzahlen nicht erfasst würden. So ist unklar, wie viele Patientinnen und Patienten wegen Corona und wie viele mit Corona behandelt wurden. Diese Unterscheidung wird bis heute vom Senat nicht getroffen.

Veröffentlichung der Daten im Internet geplant

Die gesammelten Informationen werden ab kommender Woche öffentlich zugänglich gemacht. Unter www.corona-schwarzbuch.de sollen Bürgerinnen und Bürger die Dokumente selbst einsehen können. Neben Senatsantworten finden sich dort umfangreiche Statistiken, Zeitreihen und Fallzahlen.

Die Autoren verzichten bewusst auf eine Bewertung der Daten. Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen öffentlichem Diskurs und dokumentierten Fakten sichtbar zu machen. Der Leser soll sich selbst ein Bild machen. Gleichzeitig fordern sie mehr Offenheit im Umgang mit kritischen Stimmen – ein Anliegen, das sie über die Pandemie hinaus für relevant halten.

Fehlende Aufarbeitung und politische Konsequenzen

Trotz neuer Erkenntnisse bleiben politische Reaktionen auf die Corona-Maßnahmen verhalten. Alexander King kritisiert, dass es im Berliner Abgeordnetenhaus kaum ernsthafte Debatten zur Pandemie gab. Die wenigen Diskussionen hätten sich meist auf Verschwörungstheorien oder Impfgegner konzentriert. Neue Fakten, etwa aus den Protokollen des Robert-Koch-Instituts, seien nicht thematisiert worden.

Zudem verweist King auf aktuelle Entwicklungen: Obwohl man während der Pandemie von schlecht ausgestatteten Krankenhäusern sprach, kürzt das Land Berlin nun die Investitionszuschüsse für Kliniken um 15 Prozent. Für ihn ist das ein Widerspruch zu früheren Aussagen.

Die Dokumentation von Albers und King zeigt auf, dass während der Corona-Zeit nicht nur medizinische, sondern vor allem politische Entscheidungen hinterfragt werden müssen. Die Aufarbeitung steht noch am Anfang – bleibt aber dringend notwendig.

Quelle: Berliner Zeitung,  www.welt.sn2world.com

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