Freitag, 10 Oktober 2025 11:55

Berlins neuer Wohnboom

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Neubauprojekte verändern Berlins Norden sichtbar. Neubauprojekte verändern Berlins Norden sichtbar. Pixabay/Foto illustrativ

Berlin erlebt derzeit eine der größten Wohnungsbauoffensiven seiner Geschichte. Etwa 70.000 neue Wohnungen befinden sich aktuell in Planung, wie die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Wohnen und Bauen bestätigte. Besonders die Bezirke Pankow, Spandau und Reinickendorf stehen im Mittelpunkt der städtebaulichen Entwicklung. Die Hauptstadt will den Druck auf den überlasteten Wohnungsmarkt reduzieren. Doch viele Projekte stecken noch in der Planungsphase oder verzögern sich erheblich.

Inhaltsverzeichnis:

Elisabeth-Aue in Pankow

In Niederschönhausen und Blankenfelde soll auf einer weitläufigen Brachfläche ein neues Quartier mit 4.500 Wohnungen entstehen. Über die Bebauung wird seit Jahren diskutiert. Der Baubeginn ist bislang nicht terminiert. Mit einer Fertigstellung wird frühestens ab 2030 gerechnet. Am Projekt sind die landeseigenen Gesellschaften Degewo und Howoge beteiligt. Es handelt sich um eines der größten Neubauvorhaben im Norden Berlins.

  • gemischte Wohnbebauung
  • integrierte Grünflächen
  • soziale Infrastruktur mit Schulen und Kitas

Neues Gartenfeld in Spandau

Auf der Insel Gartenfeld in Haselhorst entsteht seit 2021 ein neues Stadtviertel mit rund 3.700 Wohnungen. Der Bau erfolgt in mehreren Etappen und soll bis 2035 abgeschlossen werden. Das Projekt kombiniert öffentliche und private Investitionen und setzt auf digitale Infrastruktur und Smart-City-Konzepte. Herausforderungen bestehen in der Verkehrserschließung. Die Siemensbahn, die das Quartier anbinden soll, wird frühestens 2035 reaktiviert. Busverbindungen gelten derzeit als unzureichend. Auch Altlastensanierungen und Hochwasserschutzauflagen bremsen den Fortschritt.

  1. Nahezu autofreies Wohnen
  2. Digitale Infrastruktur
  3. Nachhaltige Energieversorgung

Siemensstadt in Spandau

Das historische Siemens-Areal wird zu einem gemischten Stadtquartier umgestaltet. 2.800 Wohnungen und Arbeitsplätze für bis zu 20.000 Menschen sind geplant. Der Konzern Siemens investiert mehrere hundert Millionen Euro, unterstützt durch landeseigene Unternehmen. Der Baustart erfolgte 2021 mit vorbereitenden Maßnahmen. Der Abschluss ist für 2035 vorgesehen. Das Projekt gilt als Schlüssel für die Idee einer produktiven Stadt, in der Wohnen, Arbeiten und Forschung kombiniert werden.

  • Abhängigkeiten zwischen öffentlicher Infrastruktur und privaten Investoren
  • steigende Energie- und Baustoffpreise
  • komplexe Genehmigungsverfahren

Buch Am Sandhaus in Pankow

Im nördlichen Teil von Pankow entsteht ein neues Quartier mit 2.700 Wohnungen. Es soll den Campus Buch mit Wohnraum und Nahversorgung verbinden. Die Bebauung liegt in einem ökologisch sensiblen Gebiet mit hohem Grundwasserspiegel. Umweltprüfungen und Hochwasserschutzmaßnahmen verzögern die Umsetzung. Die Stadt betrachtet das Vorhaben als wichtigen Knotenpunkt zwischen Forschung, Medizin und Wohnen. Ziel ist eine enge Verbindung zwischen Wissenschaft und Stadtentwicklung.

Am Teichberg in Pankow

Geplant sind rund 2.600 neue Wohnungen am Teichberg, angrenzend an das Karower Kreuz. Das Gebiet liegt nahe geschützter Feuchtwiesen und Vogelhabitate. Bürgerinitiativen fordern eine geringere Baudichte, während das Land Berlin an der Notwendigkeit des Projekts festhält. Eine verbesserte Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr ist Bedingung für die Baugenehmigung. Das Projekt steht beispielhaft für die Konflikte zwischen Wohnraumbedarf und Naturschutz.

Blankenburger Süden

Eines der ambitioniertesten Vorhaben ist der Blankenburger Süden mit geplanten 2.500 Wohnungen, langfristig bis zu 8.600 Einheiten. Das 160 Hektar große Areal liegt östlich von Französisch Buchholz und westlich von Malchow. Laut Senator Christian Gaebler ist es das größte zusammenhängende Wohnungsbaugebiet Berlins. Neben Wohnungen sind Schulen, Kitas, Gewerbeflächen und Grünzonen vorgesehen. Ein städtebaulicher Wettbewerb wurde bereits entschieden. Das Berliner Büro Studio RW erhielt den Zuschlag.

Wasserstadt Oberhavel

Die Wasserstadt an der Oberhavel in Spandau gehört zu den wichtigsten neuen Stadtteilen. Hier entstehen 2.500 Wohnungen, wovon bereits ein erheblicher Teil fertiggestellt ist. Weitere Einheiten sollen bis 2027 folgen. Verkehrliche Anpassungen verzögern jedoch die Fertigstellung. Die Straßenbahnlinie, ursprünglich für 2029 geplant, wird erst 2032 in Betrieb gehen.

Baufortschritt und Ziele des Senats

Zum Stichtag 31. Dezember 2024 waren in Berlin 50.408 Wohnungen genehmigt, aber noch nicht fertiggestellt.

  • 18.250 im Rohbau
  • 14.237 im Bau ohne Dach
  • 17.921 noch nicht begonnen

Die Prognose für die kommenden Jahre bleibt unsicher. Die sechs landeseigenen Gesellschaften – Degewo, Gesobau, Gewobag, Stadt und Land, Howoge und WBM – planen:

  • 12.000 Fertigstellungen im Jahr 2025
  • 12.000 im Jahr 2026
  • 3.500 im Jahr 2027

Das politische Ziel von 20.000 neuen Wohnungen jährlich wird damit erneut verfehlt. Zwischen 2020 und 2024 entstanden nur 80.844 Einheiten.

Übersicht der größten Bauprojekte Berlins

StadtquartierBezirkGeplante WohnungenStatusFertigstellung
Elisabeth-Aue Pankow 4.500 Planung ab 2030
Neues Gartenfeld Spandau 3.700 Bau läuft bis 2035
Siemensstadt Spandau 2.800 Bau läuft bis 2035
Buch Am Sandhaus Pankow 2.700 Planung offen
Am Teichberg Pankow 2.600 Planung offen
Blankenburger Süden Pankow 2.500–8.600 Planung ab 2030
Lichterfelde Süd Steglitz-Zehlendorf 2.500 Planung offen
Schumacher Quartier Ost Reinickendorf 2.250 Bauvorbereitung ab 2026
Pankower Tor Pankow 2.000 Planung offen
Alte Schäferei Französisch Buchholz 2.000 Planung offen

Die Berliner Stadtentwicklung steht vor großen Herausforderungen. Zwar sind Tausende Wohnungen geplant, doch der Baufortschritt bleibt hinter den Erwartungen zurück. Engpässe bei Material, steigende Kosten und langwierige Genehmigungen bremsen die Dynamik. Dennoch gilt: Die nördlichen Bezirke Berlins werden sich in den kommenden zehn Jahren deutlich verändern. Neue Quartiere sollen bezahlbaren Wohnraum schaffen und zugleich nachhaltige Stadtteile formen, die Arbeit, Wohnen und Freizeit verbinden.

Quelle: rbb24, www.milekcorp.com/de/

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