Freitag, 09 Januar 2026 21:46

Kältehilfe in Berlin deutlich verstärkt

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Hilfeangebote schützen obdachlose Menschen vor der Kälte in Berlin. Hilfeangebote schützen obdachlose Menschen vor der Kälte in Berlin. Foto: Pixabay / Lizenz: Pixabay

Anhaltende Frosttemperaturen haben in Berlin kurzfristige und umfassende Maßnahmen ausgelöst. Mehr Übernachtungsplätze, zusätzliche mobile Hilfsangebote und ein erweiterter Zugang zu warmen Aufenthaltsorten sollen obdachlose Menschen schützen. Senatsverwaltung, Hilfsorganisationen und medizinische Einrichtungen handeln koordiniert und reagieren auf die akute Wetterlage, ähnlich wie bei der Organisation von Notdiensten und Versorgungsangeboten in Berlin und Brandenburg.

Inhaltsverzeichnis:

Über 100 zusätzliche Schlafplätze in Berlin

In den nächsten Tagen stehen mehr als 100 zusätzliche Übernachtungsplätze im Warmen zur Verfügung. Das teilte die Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung am Freitag mit. Die neuen Plätze ergänzen bestehende Notunterkünfte und sollen kurzfristige Engpässe abfedern.

Parallel dazu wird obdachlosen Menschen der Aufenthalt an warmen Orten erlaubt. Die Polizei Berlin duldet den Aufenthalt in geschützten Bereichen. Bibliotheken bieten tagsüber Schutz vor Kälte.

Krankenhäuser nehmen obdachlose Menschen auch ohne Krankenversicherungskarte auf. Personen ohne Perspektive auf eine warme Unterkunft werden nicht auf die Straße entlassen. Damit wird eine lückenlose Grundversorgung in akuten Kältephasen sichergestellt, was angesichts der angespannten Lage im Berliner Gesundheitswesen zusätzliche Bedeutung hat.

Eine zentrale Website der Kältehilfe bündelt alle aktuellen Informationen. Dort finden sich Übernachtungsmöglichkeiten, Essensausgaben sowie weitere Unterstützungsangebote.

Kältebusse der Berliner Stadtmission und des DRK

Mobile Hilfsangebote sind täglich in den Abend- und Nachtstunden unterwegs. Kältebusse fahren bekannte Aufenthaltsorte obdachloser Menschen an und leisten direkte Hilfe vor Ort. Sie verteilen heiße Getränke, Schlafsäcke und warme Kleidung. Bei Bedarf organisieren sie auch Transporte in Notunterkünfte.

  • Kältehilfetelefon der Gebewo pro gGmbH: 030 343 971 40, täglich von Oktober bis April, 19 bis 23 Uhr
  • Hilfe-Hotline der Obdachlosen TaskforceX: 0157 805 978 70, Montag bis Freitag, 9 bis 17 Uhr
  • Kältebus der Berliner Stadtmission: 030 690 333 690, täglich von November bis März, 20 bis 2 Uhr
  • Wärmebus des DRK Landesverband Berliner Rotes Kreuz e.V.: 030 600 300 1010, täglich von November bis März, 18 bis 24 Uhr
  • Karuna Sub Buslinie für obdachlose Menschen: 0157 866 050 80, Montag bis Freitag, 8 bis 16 Uhr
  • Obdachbus des DRK Südwest, ausschließlich Steglitz-Zehlendorf: 0157 58 09 49 52, täglich von 11 bis 22 Uhr

In medizinischen oder lebensbedrohlichen Situationen gelten die Notrufnummern 110 und 112.

Barbara Breuer und Hilfe im direkten Kontakt

Neben organisierten Angeboten spielt der persönliche Kontakt eine wichtige Rolle. Darauf weist Barbara Breuer, Sprecherin der Berliner Stadtmission, hin. Wer sich dazu in der Lage fühlt, kann obdachlose Menschen direkt ansprechen. Ein kurzer Gruß oder ein Gespräch wird häufig positiv aufgenommen.

Hilfreich ist es, konkret Unterstützung anzubieten. Dazu gehören heiße Getränke oder eine warme Mahlzeit. Menschen, die täglich an denselben Orten gesehen werden, können gezielt angesprochen werden.

Gleichzeitig gelten klare Regeln. Schlafende Personen sollten nicht berührt oder geweckt werden. Eine Ausnahme besteht nur bei der Sorge um einen medizinischen Notfall. Sind Menschen nicht ansprechbar oder liegen zitternd am Boden, sollte sofort ein Krankenwagen gerufen werden.

Auch Kältebusse können informiert werden. Voraussetzung ist immer die Zustimmung der Betroffenen. Wichtig ist die Frage nach dem tatsächlichen Bedarf. Genannt werden häufig Tee, ein Schlafsack oder ein Transport in eine Notunterkunft.

Ehrenamt und Spenden beim Deutschen Roten Kreuz

Ehrenamtliches Engagement ist ein tragender Bestandteil der Berliner Kältehilfe. Freiwillige unterstützen in Notunterkünften bei der Essensausgabe, beim Check-in oder im direkten Kontakt mit Betroffenen. Weitere Einsatzfelder sind das Sortieren und Verteilen von Kleiderspenden, etwa im Textilhafen der Stadtmission.

Bei den Kältebussen der Berliner Stadtmission arbeiten neben zwei Festangestellten rund 60 Ehrenamtliche. Jede lokale Organisation ist auf zusätzliche Helferinnen und Helfer angewiesen.

Auch Sachspenden bleiben wichtig. Nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes werden vor allem warme Herrenschuhe in großen Größen benötigt. Die Kleidung muss sauber, gewaschen und funktionstüchtig sein. Defekte Reißverschlüsse oder beschädigte Stücke können nicht verwendet werden.

Lebensmittelspenden sind ebenfalls möglich. Bei der Kältehilfe der Caritas ist auch das Arztmobil im Einsatz. Der umgebaute Kleinbus dient als mobile Arztpraxis. Neben medizinischer Versorgung bietet das Team Beratung und vermittelt an weitere Hilfsangebote oder Behörden. Benötigt werden unter anderem Schlafsäcke.

Geldspenden ermöglichen es den Organisationen, kurzfristige Versorgungslücken zu schließen und gezielt dringend benötigte Artikel wie Unterwäsche einzukaufen, was vor dem Hintergrund der sozialen Belastungen durch die Berliner Mietenkrise an Bedeutung gewinnt.

Quelle: BERLIN, MILEKCORP

FAQ

Was bedeutet Kältehilfe in Berlin?

Die Kältehilfe umfasst koordinierte Maßnahmen von Behörden und Hilfsorganisationen, um obdachlose Menschen bei niedrigen Temperaturen zu schützen. Dazu gehören zusätzliche Übernachtungsplätze, mobile Kältebusse, warme Aufenthaltsorte sowie medizinische Versorgung.

Wie viele zusätzliche Schlafplätze stehen aktuell zur Verfügung?

In den kommenden Tagen stehen über 100 zusätzliche Übernachtungsplätze im Warmen zur Verfügung. Sie ergänzen bestehende Notunterkünfte und sollen kurzfristige Engpässe während der Frostperiode abfedern.

Welche Aufgaben übernehmen die Kältebusse?

Kältebusse fahren bekannte Aufenthaltsorte obdachloser Menschen an, verteilen heiße Getränke, Schlafsäcke und warme Kleidung und organisieren bei Bedarf Transporte in Notunterkünfte.

Wie sollte man reagieren, wenn eine obdachlose Person nicht ansprechbar ist?

Ist eine Person nicht ansprechbar oder liegt zitternd am Boden, sollte umgehend ein Krankenwagen über den Notruf 112 gerufen werden. Schlafende Personen dürfen nicht berührt oder geweckt werden, außer es besteht der Verdacht auf einen medizinischen Notfall.

Wie kann man die Kältehilfe zusätzlich unterstützen?

Unterstützung ist durch ehrenamtliche Mitarbeit, Sachspenden wie saubere und funktionsfähige Kleidung oder durch Geldspenden möglich. Geldspenden helfen dabei, dringend benötigte Artikel gezielt einzukaufen und Versorgungslücken zu schließen.