Inhaltsverzeichnis:
- Petra Bierwirth in der Teupitzer Klause
- Steigende Kosten und Druck auf Betreiber
- Forschungsergebnisse von Martin Franz
- Analysen von Rainald Manthe
- Zwischenmenschliche Nähe und persönliche Bindungen
- Folgen für Stadt und Gesellschaft
Petra Bierwirth in der Teupitzer Klause
Petra Bierwirth führt seit Jahren die Teupitzer Klause in Berlin-Neukölln. Sie kennt ihre Gäste gut, darunter Rentner wie Christian Peckel, Studentinnen, Zugezogene und viele jüngere Menschen. Die Bar ist ein Ort, an dem Unterschiede keine Rolle spielen. Ein kleines Bier kostet hier 2,80 Euro, ein Aperol Spritz 6 Euro. Viele Gäste schätzen diese moderaten Preise, da sie sich andere Lokale in der Umgebung nicht leisten können.
Die Wirtin beschreibt ihre Aufgaben als vielfältig. Sie sieht sich gleichzeitig als Kindergärtnerin, Sozialarbeiterin, Psychologin, Krankenschwester und mehr. Ihre Kneipe erfüllt damit mehrere soziale Funktionen. Für viele Besucher ist sie ein Platz für Begegnung, Austausch und das Knüpfen neuer Kontakte.
Steigende Kosten und Druck auf Betreiber
Die Belastung für Wirte wächst. Die Preise für Strom, Bier und andere Kosten steigen stetig. Bierwirth überlegt, die Preise anheben zu müssen, um ihre Kneipe zu erhalten. Gleichzeitig weiß sie, dass ihre Kundschaft empfindlich auf Preiserhöhungen reagiert.
Ein Blick auf die Halbjahresbilanz Gastgewerbe 2025 des Verbandes der Hotel- und Gaststättenbetreiber (Dehoga) bestätigt den Trend. Die Umsätze im Gastgewerbe liegen weiterhin unter dem Niveau vor der Pandemie. Inflation, gestiegene Energiepreise und Lieferprobleme verschärfen die Lage zusätzlich.
Forschungsergebnisse von Martin Franz
Der Geograf Martin Franz untersucht seit Jahren die Rolle von Kneipen im öffentlichen Raum. Seine Befragungen zeigen mehrere Probleme:
- Mangel an Arbeitskräften
- Hohe Auflagen für Betreiber
- Folgen der Corona-Pandemie
- Konkurrenz durch Streaming-Dienste und digitale Kommunikation
Franz betont, dass Kneipen wichtige soziale Treffpunkte sind. Sie bringen Nachbarn zusammen, die sich sonst kaum begegnen würden. Wenn Kneipen verschwinden, fehlen solche Begegnungsorte, ohne dass Ersatz entsteht.
Analysen von Rainald Manthe
Auch der Soziologe Rainald Manthe weist auf die Folgen hin. Laut seiner Forschung führen der Verlust von Kneipen und anderen offenen Treffpunkten zu Rückzug und Vereinsamung. Ganze Stadtteile veröden. Dies wirkt sich langfristig negativ auf das Vertrauen in die Demokratie aus. Manthe fordert, Begegnungsorte zu schaffen und die Bezirke stärker einzubeziehen.
Zwischenmenschliche Nähe und persönliche Bindungen
Die Bedeutung von Kneipen geht über Getränke hinaus. Kerstin Reiher, eine enge Freundin der Wirtin, betont, dass Treffen in Lokalen Depression und Einsamkeit entgegenwirken. Gerade während der Corona-Pandemie hätten viele die fehlenden Kontakte gespürt.
Petra Bierwirth erlebt auch, wie eng ihre Beziehung zu den Gästen werden kann. Sie verabschiedete sich sogar am Sterbebett eines Stammgastes, mit dem sie jahrelang verbunden war. Solche persönlichen Bindungen zeigen, dass Kneipen für viele Menschen weit mehr sind als nur ein Ort zum Trinken.
Folgen für Stadt und Gesellschaft
Die Beispiele aus Neukölln verdeutlichen ein größeres Problem. Verschwinden Eckkneipen, verlieren Kieze ihre letzten Treffpunkte. Menschen ziehen sich zurück, ganze Viertel verlieren Lebendigkeit. Gleichzeitig steigt das Risiko sozialer Isolation.
Die Forschung von Franz und Manthe macht deutlich: Ohne Orte wie die Teupitzer Klause droht der Verlust sozialer Netzwerke im Alltag. Kneipen bleiben damit zentrale Faktoren für Zusammenhalt und Gemeinschaft in einer Großstadt wie Berlin.
Quelle: RBB24, www.on-the-top.net/de/