Freitag, 27 Februar 2026 14:36

Konflikt um RAW-Gelände verschärft sich

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Clubs auf dem RAW-Gelände warten auf Klärung im Streit um Brandschutz und Bebauungsplan. Clubs auf dem RAW-Gelände warten auf Klärung im Streit um Brandschutz und Bebauungsplan. Foto: Pixabay / Lizenz: Pixabay

Auf dem RAW-Gelände in Berlin-Friedrichshain spitzt sich ein langjähriger Streit zu. Mehrere Clubs und gastronomische Betriebe stehen vor einer unklaren Zukunft. Der Eigentümer verweist auf fehlende Brandschutznachweise. Betreiber widersprechen. Die Auseinandersetzung betrifft 6 bekannte Einrichtungen und hat politische Folgen im Bezirk.

Inhaltsverzeichnis

Lauritz Kurth und Kurth Immobilien GmbH

Ende Januar erhielten mehrere Clubs und Gastronomien eine Nutzungsuntersagung durch die Kurth Immobilien GmbH. Das bestätigte Geschäftsführer Lauritz Kurth auf Nachfrage. Das Unternehmen besitzt einen Großteil des RAW-Geländes. Zuerst berichtete die Berliner Morgenpost.

Der Eigentümer begründet den Schritt mit Brandschutz. Nach der Brandkatastrophe am 1. Januar in einer Bar im schweizerischen Crans-Montana habe man beim Bezirksamt Unterlagen angefordert. Ein Schreiben vom 22. Januar habe ergeben, dass Genehmigungen und Brandschutz teilweise nicht vorlägen. Daraufhin untersagte die Kurth Immobilien GmbH die Nutzung bis zur Vorlage entsprechender Nachweise.

Mehrere Betreiber widersprachen dieser Darstellung gegenüber rbb24. Sie erklärten, die Nachweise lägen vor. Zudem habe eine Brandschutz-Begehung mit einem Sachverständigen keine Auffälligkeiten ergeben. Die Lage sei seit Längerem angespannt.

Clubs Cassiopeia und Weißer Hase

Betroffen sind 6 Einrichtungen:

  • Club Cassiopeia
  • Club Crack Bellmer
  • Club Weißer Hase
  • Lokschuppen
  • Bar Zum schmutzigen Hobby
  • Restaurant Emma Pea

Seit dem 1. Januar 2026 liegen teilweise keine verlängerten Mietverträge mehr vor. Einige Betriebe arbeiten auf Grundlage von Duldungen. Ein Betreiber erklärte, man befinde sich in einem Konflikt zwischen Bezirk und Eigentümer. Beide Seiten schieben sich die Verantwortung zu. Die Unternehmen berichten von Unsicherheit und fehlender Planbarkeit.

Das Gelände an der Warschauer Straße ist seit Jahren Gegenstand politischer Debatten. Der Eigentümer hatte das RAW-Areal 2015 erworben. Im Kern geht es um die künftige Gestaltung des Standorts, der für seine alternative Kulturszene bekannt ist. Hinweise auf die angespannte Lage der Berliner Kulturlandschaft finden sich auch unter Berliner Kultur vor drastischen Einschnitten.

BVV Friedrichshain-Kreuzberg und Soziokulturelles L

Linke, Grüne und SPD in der Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg verabschiedeten eine Resolution. Sie fordern langfristige Mietverträge und eine dauerhafte Absicherung des Soziokulturellen L. Vorgeschlagen wird unter anderem ein Generalmietvertrag.

Das Soziokulturelle L ist ein Bereich auf dem RAW-Gelände. Dort sind neben Clubs auch Kultur- und Gewerbenutzungen verankert. Die Fraktionen warnen vor drohender Insolvenz der Betriebe. Nach Ansicht der Verfasser wolle der Eigentümer Druck auf das Bezirksamt ausüben, um den gewünschten Bebauungsplan voranzubringen. Die Clubs würden in Geiselhaft genommen. Die Resolution wurde am Mittwochabend mehrheitlich beschlossen.

Die Diskussion steht im Zusammenhang mit weiteren Entwicklungen auf dem Berliner Immobilienmarkt, über die auch unter Berliner Mietmarkt berichtet wurde.

Bebauungsplan Warschauer Straße

Der Bezirk verhandelt seit mehreren Jahren mit dem Eigentümer über den Bebauungsplan. Dabei geht es auch um eine perspektivische Wohnnutzung auf dem Gelände. Eine solche Nutzung würde das Verfahren unter anderem wegen Lärmschutzauflagen deutlich verkomplizieren.

Nach Angaben des Bezirksamts ist vorgesehen, dass das Soziokulturelle L im Rahmen eines städtebaulichen Vertrags für 30 Jahre von einem geeigneten Träger angemietet wird. Wirksam werde dies jedoch erst mit der Festsetzung des Bebauungsplans. Ob eine Anmietung vor Abschluss möglich ist, wird geprüft. Gespräche laufen auf mehreren Ebenen.

Laut Bezirksamt sollen bis Ende März mehrere Punkte geklärt werden:

  1. Trägermodell für das Soziokulturelle L
  2. Zeitplan für das Verfahren
  3. Festlegung einer Baulinie
  4. Frage einer frühzeitigen Teilbebauung

Weitere Hintergründe zur Stadtentwicklung sind auch bei Senatsverwaltung für Stadtentwicklung abrufbar.

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FAQ

Warum erhielten mehrere Clubs eine Nutzungsuntersagung?

Die Kurth Immobilien GmbH untersagte Ende Januar die Nutzung mit Verweis auf fehlende Genehmigungen und Brandschutznachweise laut Schreiben des Bezirksamts vom 22. Januar.

Welche Betriebe sind betroffen?

Betroffen sind die Clubs Cassiopeia, Crack Bellmer, Weißer Hase, der Lokschuppen, die Bar Zum schmutzigen Hobby sowie das Restaurant Emma Pea.

Was fordert die BVV Friedrichshain-Kreuzberg?

Linke, Grüne und SPD fordern langfristige Mietverträge und eine dauerhafte Absicherung des Soziokulturellen L, unter anderem durch einen Generalmietvertrag.

Welche Rolle spielt der Bebauungsplan?

Der Bebauungsplan regelt die künftige Entwicklung des RAW-Geländes, einschließlich einer möglichen Wohnnutzung, und ist Voraussetzung für die geplante 30-jährige Absicherung des Soziokulturellen L.

Quelle: RBB24, PATIZONET

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