Montag, 07 Juli 2025 10:37

Prozess gegen vier Beamte gestartet

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Brutaler Polizeieinsatz in Berlin Brutaler Polizeieinsatz in Berlin Pixabay/Foto illustrativ

Vier Berliner Polizisten stehen vor Gericht. Sie sollen im Juli 2021 auf der Wache am Alexanderplatz einen Mann schwer misshandelt haben. Der Vorfall wirft Fragen zur Polizeiarbeit, zur internen Aufklärung und zur Rolle der Justiz auf. Die Staatsanwaltschaft erhebt schwere Vorwürfe: Körperverletzung im Amt, Freiheitsberaubung, Nötigung und Verfolgung Unschuldiger. Der Prozess hat am Montag vor dem Amtsgericht Tiergarten begonnen.

Inhaltsverzeichnis:

Brutale Schläge durch Abdullah I. in der „Alex-Wache“

Laut Ermittlungen suchte Abdul M. in der Nacht Hilfe bei der Wache, weil ihm Bargeld abhandengekommen war. Der damals diensthabende Polizeiobermeister Abdullah I. öffnete die Tür. Kurz darauf erschien sein Kollege Müslim K. auf der Bildfläche. Nach einem kurzen Gespräch soll Abdullah I. dem Mann zunächst die Hand weggeschlagen und ihn dann mit voller Wucht gegen den Kopf geschlagen haben. Abdul M. stürzte zu Boden, wurde wieder hochgezerrt und erneut weggestoßen.

Die Überwachungskamera zeichnete weite Teile der Szene auf. Nur Minuten nach Beginn des Gesprächs sollen insgesamt vier Beamte – Abdullah I., Müslim K., Maximilian S. und Amos E. – Abdul M. zu Boden gebracht haben. Dort soll Abdullah I. mehrfach mit der Faust auf den am Boden liegenden Mann eingeschlagen haben. Abdul M. verlor laut Staatsanwaltschaft dabei für einige Sekunden das Bewusstsein.

Vertuschung durch Kollegen und falsche Anzeige gegen das Opfer

Noch in derselben Nacht wurde Abdul M. wegen angeblicher Gewalt gegen Vollzugsbeamte angezeigt. Diese Anzeige war laut Staatsanwaltschaft unbegründet. Drei Stunden später reichte einer der Mitangeklagten eine interne Strafanzeige gegen Abdullah I. ein. Darin wurde jedoch behauptet, Abdul M. habe ein Feuerzeug geworfen oder selbst zugeschlagen.

Eine Auswertung des Überwachungsvideos durch das Berliner Landeskriminalamt ergab jedoch keine Hinweise darauf, dass Abdul M. gewalttätig war. Die Staatsanwaltschaft geht deshalb davon aus, dass es sich um eine falsche Anzeige und einen Versuch der Vertuschung handelt.

Lücken in der Aufklärung und späte Suspendierungen

Die Ermittlungen zogen sich über dreieinhalb Jahre. Die Anzeige wurde zwar bereits am Morgen nach dem Vorfall gestellt, doch die Anklage gegen die Beamten erfolgte erst nach zweieinhalb Jahren. Erst im Sommer 2024 wurden die drei weiterhin aktiven Beamten vom Dienst suspendiert. Die Rolle der Polizeikommissarin, die laut Video anwesend war, aber keine Anzeige erstattete, wurde nicht weiter verfolgt. Das Verfahren gegen sie wurde eingestellt.

Die Verzögerungen werfen zahlreiche Fragen auf. Warum wurde der Prozess nicht früher angesetzt? Warum wurden Beamte trotz schwerwiegender Vorwürfe nicht zeitnah suspendiert? Und welche Rolle spielte die interne Polizeistruktur bei der langsamen Aufklärung?

Aussagen der Angeklagten im Mittelpunkt des Prozesses

Die suspendierten Beamten haben laut rbb angekündigt, sich im Prozess zu den Vorwürfen zu äußern. Sie wollen die Taten von Abdullah I. nicht leugnen, betonen aber, dass sie keine Vertuschung beabsichtigt hätten. Die verspätete Anzeige gegen ihren Kollegen sei auf hohe Arbeitsbelastung in jener Nacht zurückzuführen.

Der Prozess ist auf zwei Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil wird voraussichtlich am 14. Juli gesprochen. Die Verhandlung könnte wichtige Einblicke in interne Abläufe der Berliner Polizei geben – und klären, wie mit Fällen mutmaßlicher Polizeigewalt umgegangen wird.

Zentrale Punkte im Überblick

  • Tatzeit: 16. Juli 2021, gegen 2 Uhr morgens
  • Tatort: Polizeiwache am Alexanderplatz
  • Opfer: Abdul M.
  • Hauptbeschuldigter: Abdullah I., bereits aus dem Dienst entlassen
  • Weitere Angeklagte: Müslim K., Maximilian S. und Amos E.

 

Quelle: RBB24, webrivaig.com/de

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